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West-Ost-West-Passage

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Zuletzt aktualisiert am 28. September 2021

Seitenblick auf den Neuenburgersee

Seitenblick auf den Nauenburgersee

Nach den „ausgedehnten Nachtruhen“ der letzten Tage, setzen wir heute auf ein kleines Örtchen namens Sargans, direkt neben der Autobahn in Richtung Süden gelegen, um den erforderlichen Schlaf nachzuholen.

Denn dort haben wir uns einen netten großen Parkplatz vor einer Seilbahnstation ausgesucht, um dort bis morgen zu bleiben.

Das die Schweizer geschäftstüchtig sind, ist ja hinlänglich bekannt und wir können es auch hautnah erfahren…

Hier gehen die Uhren anders


Parkscheinbeleg des Parkplatzes der Seilbahn in Sargans

Parkticket in Sargans

Der Parkplatz ist etwa zur Hälfte gefüllt, wir bekommen aber ein sehr nettes Plätzchen direkt an einem kleinen Bach gelegen, der lustig vor sich hinplätschert. Um uns herum steht soweit niemand.

Es gibt hier Parkscheinautomaten, die bedient werden wollen. Klar. Was sonst. Also fordern wir unser Glück heraus und versuchen die Parkdauer auf 24 Stunden einzustellen, denn ein Tag soll 5 SFR kosten.

Da ein Tag auch ausreichend ist, tippen wir motiviert auf den lustigen Einstellknöpfen herum, bekommen aber nur die Parkdauer bis heute Mitternacht (für 5 SFR) oder alternativ bis morgen Mitternacht (10 SFR) zur Auswahl angezeigt.

Lernsatz: In der Schweiz – oder zumindest hier an dieser Stelle – ist ein Tag nicht gleichbedeutend mit 24 Stunden.

Also greifen wir tief in die virtuelle Kreditkartengeldbörse und löhnen 10 SFR. Gegen Nachmittag leert sich der Parkplatz recht schnell und bald stehen wir völlig alleine hier, was die Sache noch angenehmer macht. Den Parkschein hätten wir uns wohl auch sparen können, denn kontrolliert wird hier auf dem leeren Parkplatz natürlich nicht. Doch wir sind ja ehrliche Gesellen und können so unser moralisches Karma-Guthaben etwas erhöhen.

Bimmel – Bammel – Ich glaube es ja nicht


War es tagsüber doch – abgesehen vom gelegentlichen Parkplatzverkehr und dem immer noch angenehmen Plätschern des Baches – recht ruhig, scheint sich der Wind am Abend gedreht zu haben. Wir befinden uns nun im Beschallungsbereich einer vorher nicht zu sehen oder zu hörenden Bimmelkirche. Echt jetzt? Also wirklich…. irgendwann müssen wir doch mal ein ruhiges Nachtplätzchen finden, oder?

Weiter gehts, nach Italien


Autobahn in der Schweiz in Höhe Neuenburgersee

Schweizer Autobahn

Wir wollen nun schnell weiter und „fressen“ sprichwörtlich Kilometer, lassen die Berge rechts und links von uns liegen, wo sie gerade sind. Filmkulissen gleich fahren wir auch im Heidiland vorbei.

Schweizer Autobahn mit Ausfahrtschild Heidiland

Ausfahrtschild Heidiland

Es fängt an zu nieseln, dann beginnt es zu regnen, um schließlich in einen gepflegten Regenguss überzugehen. Das macht aber nichts, wird die Frontscheibe doch auf diese Weise mal wieder richtig sauber 🙂

Schließlich verlassen wir die Schweiz und fahren ohne Kontrolle nach Italien ein. Der Pladderregen hat aufgehört.

Ein kleiner verschlafener Parkplatz außerhalb einer Ortschaft


Gleich hinter der Grenze ist ein irres Verkehrsgewühl. Mit Stau und gefühlten 1000 Abbiegemöglichkeiten in Baustellen und so weiter. Und ehe wir es uns versehen, befinden wir uns auf einem kleinen Autobahnabschnitt, der nur für Telepass freigegeben ist. Natürlich haben wir keinen solchen. Da wir aber nach etwa einem Kilometer die Straße wieder verlassen können, hoffen wir mal inständig, dass da jetzt kein Ticket folgen wird. Schauen wir mal.

Schon leicht genervt durch Verkehrsgewühl und obigen Umstand steigt der Genervtheits-Level durch enge Ortsdurchfahrten und den zunehmenden Berufsverkehr deutlich an.

Schließlich gelangen wir zu einem kleinen Parkplatz, etwas außerhalb von Ortschaften gelegen, wo wir – mal wieder – eine ruhige Nacht zu verbringen gedenken.

Ja, versteckt hinter einer Hecke stehen wir ganz alleine hier und es herrscht auch herrliche Ruhe…….bis….

Sammelfahrzeug für Kunststoffmüll

….. bis pünktlich um 0500 ein Lkw mit lautem Getöse, neben uns einparkt. Und der Motor wird nicht etwa ausgeschaltet, sondern läuft weiter.

Wir stehen fast senkrecht im Bett und schauen uns die Situation neugierig durch einen kleinen Spalt zwischen unseren Fensterverdunklungen an. Geht ja irgendwie gar nicht.

Nach ein paar Minuten – der Motor läuft immer noch – steige ich mit Taschenlampe bewaffnet aus und besehe mir die Situation.

Den LKW-Fahrer kann ich allerdings nicht anpflaumen……denn er ist gar nicht da. Das Fahrzeug ist halt nur mit laufendem Motor abgestellt worden. Das Fahrerhaus ist abgeschlossen.

Wo bitte ist die versteckte Kamera?

Nun gut, somit erklären wir auch diese Nacht vorzeitig für beendet, kurz nach Fünf ist ja auch eine schöne Uhrzeit.

Der erste Morgenkaffee ist schnell getrunken und wir sind schon bereit zum weiterfahren. Da kommt doch ein anderes, kleineres Fahrzeug angefahren und lädt Müllsäcke in den großen LKW um.

Ich also raus und mit meinen „überragenden, mit Gebärdensprache durchsetzten Italienischkenntnissen“ erfahre ich vom müllsackumschichtenden Italiener im gepflegten Kauderwelsch, dass hier wohl das Sammelfahrzeug für die kleineren Müllsackeinsammelfahrzeuge steht. Für den großen LKW sind die kleinen Anwohnerstraßen wohl deutlich zu klein.

Wir packen nun unsere Siebensachen und machen uns kurz nach Einsetzen der Dämmerung auf den Weg, weiter Richtung Osten.

buon sonno in italia


Das heißt so viel wie „Guter Schlaf in Italien“. Und genau den finden wir am Abend unserer nächsten Tagesetappe, die uns einige Kilometer östlich von Verona verweilen lässt.

kostenloser Stellplatz bei Verona mit Ver- und Entsorgung

Der Schlaf ist so gut und erholsam, dass wir ihn gleich am nächsten Tag noch einmal ausprobieren. Klappt prima. Doch wir wollen hier ja nicht allzu lange verweilen, zieht es uns doch weiter.

Slowenien is calling


Wir fahren durch die Stadt Görz und ohne Kontrolle nach Slowenien ein, um dann knappe 50 Kilometer weiter einen ruhigen und kostenlosen Platz für die Nacht auf dem Parkplatz eines hervorragenden Restaurants zu buchen. Diesen kennen wir schon von unserer Reise im letzten Jahr und werden auch dieses Mal nicht enttäuscht.

Kulinarische Genüsse im Gostišče Stari grad, Senožeče

Das Essen ist ausgezeichnet, die Nacht ist ruhig, allein das Frühstück am nächsten Morgen, welches uns noch abends in Aussicht gestellt worden ist, findet nicht statt, wahrscheinlich gibt es dort einen internen Kommunikationsfehler. Sei es drum.

Kostenloser Parkplatz vor dem Restaurant

Wir fahren weiter und gelangen mautfrei und auf guten Straßen zu unserem nächsten Ziel. Ein gemütlicher Parkplatz bei einer Seilbahnstation etwa auf halber Strecke Richtung Ungarn.

Hier bleiben wir – halbwegs im Gebirge – einige Tage und können uns vom Stress der letzten Fahrtage UND NÄCHTE erholen. Wir haben einen tollen Ausblick, sanfte Hügel im Vordergrund, hohe Berge im Hintergrund.

Es gibt hier kostenlose Wasseranschlüsse (brauchen wir) und Stromanschlüsse (brauchen wir nicht) und sechs reguläre Stellplätze (brauchen wir nicht) und einige Plätze im Grünen (nehmen wir) nahebei.

Auch gibt es eine Entsorgungsmöglichkeit, was uns die Gelegenheit bietet, mal wieder die Waschmaschine anzuwerfen.

Natur pur. Ruhe in der slowenischen Bergwelt.

Schön ist es hier in Slowenien. Alles ist grün, Alles ist sauber und ordentlich. Kein Müll an den Straßenrändern lässt sich erblicken. Überall kleine Rastplätze mit Mülleimern.

Heile Welt. Österreich vor 20 Jahren mal zwei. Mindestens.

Aber: Slowenien ist der Weltmeister im Aufstellen von Schildern „Verbot der Durchfahrt für Fahrzeuge über 7,5 t zGG“.

Jede andere große und gut ausgebaute Straße jenseits von Autobahnen scheint mit einer solchen Beschilderung versehen worden zu sein. Das macht es nicht so einfach, zu navigieren.

Denn anstatt eine 5 km lange, schnurgerade Hauptstraße fahren zu dürfen, werden wir auf kleinen ZickZack-Straßen quer durchs Gebirge geleitet. Ist irgendwie nervig.

Doch dann durchblicken wir die Systematik der Verkehrsschildaufsteller ein klein wenig.

Denn meistens stehen diese vermalledeiten Schilder an einem Verkehrsknotenpunkt.

Auch haben wir ein „Schlupfloch“ für uns entdeckt. Denn die Schilder haben meistens ein kleines Zusatzschild, natürlich in slowenischer Sprache. Die Übersetzung bedeutet aber so viel wie „Anliegerverkehr frei“.

Klingt doch prima. Dann holt man sich halt mal ein Brötchen. Oder an anderer Stelle ein Kaugummi, geht mal mittags essen, oder tankt ein paar Liter nach.

Und so können wir die meisten „verbotenen“ Straßen dann doch legal befahren.

Soll man auf´s Bauchgefühl hören?


Black pearl im Hintergrund, Blume im Vordergrund

Natur pur. Ruhe in der slowenischen Bergwelt.

Wir stehen hier fast eine Woche. Alleine. In herrlicher Natur. In der Ferne hören wir ab und an die Glocke einer grasenden Kuh auf einer Bergweide. Alle Stunde fährt mal eine Seilbahngondel an uns vorbei, wir sehen sie mehr, als dass wir sie hören. Ein, zweimal am Tag fährt ein ortsansässiger Bauer mit seinem klapprigen roten Traktor Baujahr 1955 auf der Straße neben dem Stellplatz entlang und zu seinem Feld. Das war es an täglichen Störungen. Ein Platz, wie für uns geschaffen.

Und doch stimmt irgendetwas nicht. Zunächst trübt ein Gedanke die Idylle, der sich noch gar nicht so recht in Worte fassen lässt. Wir zögern unsere Weiterfahrt in Richtung Griechenland immer mehr hinaus.

Aber warum machen wir das? Ja, hier ist es wunderschön, aber ist das der alleinige Grund?

Wir stellen fest, dass die wortgewordenen Gedanken bei uns beiden identisch vorhanden sind. Irgendetwas bremst unseren Enthusiasmus, weiterzufahren.

Ist nur so ein Bauchgefühl. Ein komisches dazu. Es fühlt sich nicht mehr stimmig, nicht mehr richtig an, weiterzufahren.

Irre, oder?

Doch haben wir uns stark vorgenommen, immer auf unser Bauchgefühl zu hören. Und je länger wir warten und auf der „Situation herumdenken“, desto sicherer sind wir uns, dass die von uns bislang eingeschlagene Richtung nicht die Richtige ist.

Also „Kehrt Marsch Marsch“. Hätte uns ja auch schon in der Bretagne einfallen können, hätten wir so doch einige tausend Kilometer eingespart.

Aber dann hätten wir das Plätzchen in Slowenien nicht mehr genießen können. Wer weiß, wozu es gut ist.

Wir machen uns also wieder auf den Weg, Retour.

Doch dazu bald mehr…..

Stay tuned…. es bleibt spannend.

 

 

 


3 Comments
  • Martin Stanggassinger | Sep 28, 2021 at 7:48

    Schade, das ihr umkehrt! Wir sind auf Kreta und genießen das Leben fast ohne C.

  • Claudia M | Okt 2, 2021 at 16:22

    Seid Ihr wirklich am Neuenburgersee (nicht Nauenburgersee) vorbeigekommen, Sargans ist in der Nähe des Walensees….

    • Melia | Okt 2, 2021 at 18:42

      Moin moin, nein, das ist schon richtig, wir sind von Pontarlier gekommen und am Neuenburgersee entlanggefahren. LG Meli

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