Spinnennetz im Gegenlicht

Wer hat´s erfunden? Grenzübertritt in die Schweiz mit Hindernissen!

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Zuletzt aktualisiert am 19. September 2021

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Unser Frankreichbesuch nähert sich nun mit halsbrecherischem Tempo seinem Ende. Unser Bordkompass hat eine neue Richtung angezeigt und so gleitet unsere Black Pearl unter vollen Segeln vor sich hin. Das Spinnaker ist gesetzt und wir segeln vor dem Wind nach Osten.

Die letzte Nacht in Frankreich


Morgen geht es los, nur noch eine ruhige Nacht werden wir in Frankreich verbringen. Zumindest lautet so der Plan, Doch wie das so mit den Plänen ist, sind sie nicht immer planbar und werden manchmal mit ziemlich sicherer Wahrscheinlichkeit und vor allem schneller über den Haufen geworfen, als man PIEP sagen kann.

Wir fahren also am frühen Nachmittag zu einer sehr große Picknickstelle mitten im Wald. Das Wetter ist ausgezeichnet, die spätsommerlichen Tage zeigen sich in ihrem besten Erscheinungsbild und versuchen mit den hohen Temperaturen des Sommers zu konkurrieren. Das macht aber nichts. Denn wir haben ein lauschiges Plätzchen auf einer großen Wiese gefunden.

Schön ist´s hier. Schön einsam. Schön schattig. Wohlgerüche nach frischer Natur. Und vor allem ist es hier schön ruhig.

Bumm Bumm und Lagerfeuer


Wie ihr der Überschrift entnehmen könnt, wird unsere Idylle nachhaltig gestört. Zunächst kommen ein paar Jungerwachsene mit ihrer fliegenden Kiste mit ihrem Töfftöff des Weges, stellen sich direkt hinter uns und öffnen wegen der besseren Verteilung der akustischen Überraschungen alle Fahrzeugtüren und übertönen die betörenden Naturgeräusche mit noch betörenderem Jungerwachsenen-Rap. Nichts gegen Jungerwachsene, Aber Rap? ….. Na ja, wer´s mag.

Doch damit nicht genug. Sie reaktivieren auch eine verweiste Feuerstelle nur wenige Meter hinter unserer Black Pearl. Problematisch ist halt nur, dass sie scheinbar noch nie mit der Tatsache konfrontiert worden sind, dass trockenes Holz um Längen besser und vor allem qualmarmer brennt, als feuchtes Holz. Denn dieses sammeln sie mit hingebungsvollem Eifer im angrenzenden Unterholz.

Black Pearl zieht Qualm magisch an


Wie irgendwie nicht anders zu erwarten, zieht der Feuerrauch beharrlich in unsere Richtung, was nicht verwunderlich ist, ist die Black Pearl doch ein ehemaliges Feuerwehrauto. Das veranlasst und dazu, unsere siebzehn Sachen kurzfristig einzupacken und 20 m weiterzufahren. Doch schon nach kurzer Zeit dreht der Wind. Nur ein klein wenig. Aber es reicht, dass wir nun wieder innerhalb der Rauch-Ausbreitungskeule stehen. Ich seh´ schon, das wird so nichts….

Plan B: Megaparkplatz bei E.Leclerc


Plan B ist ein Megaparkplatz vom Einkaufsmarkt E.Leclerc. Hälftig überdacht mit so hohem Dach, dass wir problemlos darunter passen und der Sonne entfliehen könnten….. würden hier nicht irgendwelche Kiddies mit ihren verrückten und vor allem getunten Mofas Einradkuststücke vollführen, was unseren lärmgeplagten Ohren nicht die erwünschte Entspannung beschert. Also stellen wir uns in die pralle Sonne auf eine aufgeheizte Betonplatte und fristen unser Dasein.

Irgendwann machen sich dann auch die Jugendlichen auf den Weg…

Hier stehen überall auf dem Parkplatz große Lampen herum und wir hoffen darauf, dass sie nicht in Betrieb gehen, ist ja schließlich kein Kundenverkehr. .

Das Glück scheint uns hold zu sein. Es ist angenehm dunkel und auch die Fahrzeuge auf der etwas entfernten Durchgangsstraße werden zunehmen weniger. Als dann auch noch die Beleuchtung im nahegelegenen Burger King erlöscht, steht unserer Nachtruhe nichts mehr entgegen.

Bis 05:30 Uhr jedenfalls. Es ist taghell und wir mutmaßen die Uhrzeit auf mindestens 8 Uhr. Komisch ist nur, dass noch kein Fahrzeugverkehr auf dem Parkplatz zu hören und zu sehen ist.

Dann erst realisieren wir, dass die Lampen auf dem Parkplatz ebendiesen taghell erleuchten, um es dem Einkaufswagenschieber zu gestatten, seiner Tätigkeit nachzugehen und eben Einkaufswagen zu schieben.

Wir erklären die Nachtruhe als beendet, genießen unseren ersten Kaffee und warten auf das Öffnen der Einkaufsmarkttüren, um unsere Vorräte aufzufrischen.

Die Tücken mit der Schwerlastverkehrsabgabe


In der Schweiz muss man Maut bezahlen, will man die Straßen benutzen. Für Fahrzeuge über 3,5t heisst diese Maut Schwerlastabgabe. Und die kann man ganz einfach mit einer App namens VIA bezahlen. Zumindest theoretisch.

Denn als Zahlungsweise werden ausschließlich Kreditkarten von Visa oder Mastercard akzeptiert.

Getreu dem Motto: Irgendwas ist halt immer… stellen wir fest, dass wir die erforderlichen Secure-Freischaltungen irgendwie nicht initiiert haben und sind somit vom Bezahlvorgang abgeschnitten. Weder Paypal noch Überweisung noch Bankeinzug sind möglich und so bleibt uns nur die Barzahlung am Grenzübergang übrig. Zumindest theoretisch.

„So ein Formular haben wir nicht“


Wir steuern also siegesgewiss einen kleineren Grenzübergang an, wo wir die Schwerlastabgabe bezahlen wollen. In radebrechtem Englisch macht mir die anwesende Zollbeamtin verständlich, dass sie über kein geeignetes Formular verfügt, ich solle doch 25 km weiter zum nächsten, größeren Grenzübergang fahren. Auch kann sie sich ein entsprechendes Formular nicht zumailen oder zufaxen lassen, das ginge nicht. Also wieder zurück nach Frankreich, ab zum nächsten Übergang. Sind ja nur 25km Umweg.

Problem gelöst!


Die nächste Grenzpostendienststelle ist tatsächlich ein wenig größer. Ich halte also an, krabbele aus dem Auto raus und betrete die Diensträume.

Es warten zwei weitere maskenbewehrte Reisende vor dem linken Schalter. Hinter den Schaltern sind zwei maskenbewehrte Zollbeamte. Jetzt fällt es mir auch wieder ein…. da war doch was…. ach ja, die Maske…. ich hatte mein Banditenhalstuch in der Black Pearl gelassen. Doch bevor ich es holen konnte, öffnete nun der zweite Schalter und der Zollbeamte schob mir gutgelaunt, ohne auch nur eine einzige Frage zu stellen, das entsprechende Formular über die Theke.

Formular Schwerlastverkehrsabgabe

Das scheint er öfter zu machen. Ich füllte es also entsprechend aus. Total Easy. Jeden Tag, den wir auf schweizer Straßen verbringen, müssen wir nun  datumsmäßig in einer Liste eintragen, nach 10 Mal muss ne neue Liste gekauft werden, haben wir uns doch für 10 frei wählbare Tage im Jahr für 32,50 SFR entschieden.

Der Hinterdemtresenzollmensch akzeptiert allerdings nur Geldscheine. Das Wechselgeld hätte ich in schweizer Franken erhalten. Hmmmmmm….. Auf Nachfrage konnte ich aber auch mit EC-Karte bezahlen.

Alles chic, alles einfach, alles einfach „easy peasy“, wie man so schön sagt.

Pässe und ähnliche Dokumente will man gar nicht sehen und so steht unserer Einreise ins Eidgenössische nichts mehr entgegen.

Himmlische Ruhe


Wir also rein in die Schweiz. Und ein paar Kilometerchen sind schnell zurückgelegt.

Heute haben wir uns mal auf die Stellplatz-App Park4Night verlassen, da wir bei Campercontakt nichts entsprechendes gefunden haben. Vielleicht wäre es ziemlich schlau gewesen, nicht nur den ersten Kommentar bei P4N zu lesen, sondern auch die folgenden, warnenden Kommentare zur Kenntnis zu nehmen. Gut, schlau waren wir irgendwie nicht.

Wir also hin zu dem Platz unserer Wahl. Ein Parkplatz gegenüber eines Friedhofes. Direkt an einem Sonnenblumenfeld. Toll. Eigentlich.

Sonnenblumenfeld im Vordergrund MB1222AF im Hintergrund

Sonnenblumenfeld mit der Black Pearl im Hintergrund

Wir hatten himmlische Ruhe. Zumindest 14 Minutenweise. Denn nach der 15. Minute macht die Kirchturmglocke (Luftlinie etwa 75m) deutlich darauf aufmerksam, dass sie noch immer an ihrem Platze steht.

Um viertel nach (der vollen Uhrzeit) gibt es also ein BIMM-BAMM

15 Minuten später ein BIMM-BAMM … BIMM-BAMM

Um dreiviertel folgt dann richtigerweise ein BIMM-BAMM … BIMM-BAMM … BIMM-BAMM

Und zur Vollen Stunde ein……na, kannst du es erraten?…. BIMM-BAMM … BIMM-BAMM … BIMM-BAMM … BIMM-BAMM gefolgt von der aktuellen Uhrzeit. für jede Stunde ein BÄNG.

Interessant wurde es um Mitternacht. Ich habe nicht mitgezählt, das kannst du selbst im Taschenrechner ausrechnen.

Der Höhepunkt war aber dann am Morgen um 0600. Da setzte das Dauergebimmel ein, um die so zahlreich vorhandenen Gemeindemitglieder zum Gebet aufzufordern, oder vielleicht war es auch nur eine christliche Machtdemonstration á lá „Ätsch, wir dürfen das!“, bist du jetzt wach?

Ja, wach sind wir durchaus geworden. Vielen Dank dafür. Wer braucht schon „Schlaf jenseits des Glockenläutens“ (ist übrigens auch ein Interessanter Buchtitel, muss ich mir merken).

Immerhin haben wir so die Gelegenheit genutzt, frühzeitig aufzubrechen und unserem neuen Tagesziel entgegenzufahren.

 

Stay tuned…. es bleibt spannend.

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